
Wenn die Geburt nachwirkt: Geburtstrauma beim Baby
Wenn die Geburt nachwirkt: Geburtstrauma beim Baby
Die Geburt ist für ein Baby der erste große Übergang: Aus dem geschützten Innen in ein Außen voller neuer Reize. Der Weg dorthin kann sehr intensiv, sehr schnell, sehr lang, oder mit medizinischen Eingriffen verbunden sein. Daher kann der Geburtsprozess nicht nur bei den Müttern und Vätern, sondern auch beim Baby Spuren hinterlassen.
Was eine belastende Geburt für ein Baby bedeuten kann
Babys erleben Geburt körperlich und sensorisch, lange bevor sie sie verstehen können. Situationen wie eine sehr schnelle oder sehr lange Geburt, der Einsatz von Saugglocke oder Zange, ein Kaiserschnitt, eine ungünstige Geburtsposition, Sauerstoffmangel oder eine frühe Trennung von dir können im kleinen Körper Spuren hinterlassen. Das bedeutet nicht, dass etwas falsch gelaufen ist. Es bedeutet, dass das noch unreife Nervensystem deines Babys mehr verarbeiten musste, als es in dem Moment konnte.
Weil Babys das nicht in Worte fassen können, sprechen sie über ihren Körper: über Mimik, Bewegung, Töne, Schlaf, Stillen und darüber, wie leicht oder schwer ihnen Nähe fällt.

Wie sich das zeigen kann
Da Babys ihre Erlebnisse nicht mit Worten ausdrücken können, zeigen sie ihr Befinden über ihre Körpersprache: Mimik, Gestik, Bewegung und Töne. Auch ihr Verhalten in Bezug auf Schlaf, Essen /Stillen, der Beziehung zu den Eltern und die Fähigkeit, emotionalen und physischen Kontakt erleben zu können, sind Ausdrucksformen ihres Befindens. Mögliche Signale können sein:
übermäßiges Schreien (Schreibaby)
Schrilles schreien
Plötzliches Losschreien
Der Körper versteift sich / hohe Muskelspannung / Aufbäumen od. Überstrecken
Überwachsamkeit oder kein Interesse an der Außenwelt
Starke Unruhe und geringe Beruhigbarkeit
Stillprobleme oder Trinkschwierigkeiten
Schlafstörungen oder häufiges Aufschrecken
Baby scheut Berührung
Baby mag keine Enge (z.B. Schal, Babyschale, Babytrage, Pulli/Shirt über Kopf ziehen, …)
Extreme Schreckhaftigkeit für Reize von außen
Baby meidet Blickkontakt und evtl. auch Bindung
Körper bewegt sich ruckartig statt geschmeidig
Hohe Spannung in den Augen / im Mundbereich
Tics, o.Ä. (wiederholende Bewegungen, z.B. ein regelmäßiger Griff ans Ohr oder Reiben eines Auges, Armbewegungen)
Wenn du das ein oder andere Signal wiedererkennst, heißt das nicht, dass mit deinem Baby etwas nicht stimmt. Esbedeutet, dass sein Nervensystem noch nach einem Weg sucht, zur Ruhe zu kommen. Und dass es dabei vielleicht ein wenig Unterstützung gebrauchen kann.
Was jedem Baby von Natur aus mitgegeben ist
Jedes Nervensystem - auch das eines Babys - ist grundsätzlich darauf ausgelegt, sich selbst zu regulieren. Manchmal braucht dieser Prozess aber liebevolle Begleitung von außen, besonders wenn viele belastende Reize gleichzeitig verarbeitet werden mussten.
Genau hier setzt körperorientierte Eltern-Kind-Begleitung an: sanft, kleinschrittig, ressourcenorientiert und immer gemeinsam mit euch als Eltern. Denn Sicherheit entsteht im Miteinander.
Wenn dich das Thema Geburtserfahrung grundsätzlich interessiert, auch aus der Perspektive der Mutter, findest du mehr dazu in „Wenn die Geburt nicht loslässt: Geburtstrauma bei Müttern".






