
Rektusdiastase: Dein Körper ist mehr als eine Zahl
Rektusdiastase: Dein Körper ist mehr als eine Zahl
Wenn Du das Wort "Rektusdiastase" zum ersten Mal hörst, denkst Du vielleicht: Da ist eine Lücke zwischen meinen Bauchmuskeln, die sich einfach wieder schließen muss. Verständlich, aber genau da beginnt oft ein Missverständnis.
Was passiert bei einer Rektusdiastase?
Bei einer Rektusdiastase stehen die Muskelbäuche Deines geraden Bauchmuskels auseinander, weil das dazwischenliegende Bindegewebe in die Breite gedehnt wurde. Optisch kann sich das ganz unterschiedlich zeigen: eine sichtbare Wölbung, ein Bauch, der sich auch Monate nach der Geburt nicht zurückbildet, oder ein Hügel in der Bauchmitte beim Husten, Niesen, Heben oder Tragen.
Viele Frauen denken nun, dass die Lücke sich wieder schließen muss, damit alles wieder gut wird. Aber eine geschlossene Lücke sagt noch nichts darüber aus, ob Deine Körpermitte auch wieder so funktioniert, wie sie das soll: Ob sie Kraft überträgt, Druck abfängt und Dir Stabilität im Alltag gibt. Es gibt Frauen mit sichtbarer Rektusdiastase, deren Mitte stabil und funktional ist und andere, die auf den ersten Blick kaum betroffen sind und dennoch starke Beschwerden haben. Genau deshalb geht es in der Arbeit mit der Rektusdiastase nicht um Zentimeter, sondern um Funktion.
Am häufigsten betroffen sind Frauen nach einer oder mehreren Schwangerschaften. Die Rektusdiastase selbst ist in den meisten Fällen ein Symptom, also ein Hinweis darauf, dass Deine Körpermitte insgesamt aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Wenn die Mitte schweigt
Viele Frauen, die zu mir kommen, beschreiben es so: Ihr Bauch fühlt sich fremd an. Wie ein Fremdkörper oder ein großes Loch, fast so, als wäre die Verbindung zwischen Oberkörper und Unterkörper unterbrochen. Manche berichten von einem Gefühl von Kontrollverlust über den eigenen Körper. Rückenschmerzen, Instabilität im Becken, Verdauungsbeschwerden ... all das sind typische Begleiter einer geschwächten Körpermitte.
Was all diese Beschwerden gemeinsam haben ist, dass sie mit der Kraft und Funktion der tiefen Rumpfmuskulatur zusammenhängen. Jenen Muskeln, die Deine Körpermitte eigentlich von innen stabilisieren sollten, aber schwach oder inaktiv geworden sind. Diese tiefen Muskeln brauchen nicht nur Training, sondern vor allem Sicherheit, um wieder spürbar und aktiv zu werden. Wenn Dein Nervensystem nach einer überwältigenden Geburt, einer OP oder anhaltendem Stress noch in Alarmbereitschaft ist, hält Dein Körper unbewusst Spannung oder schaltet Bereiche wie den Bauch regelrecht ab.
Warum reines Training oft nicht reicht
Wenn die tiefen Muskeln Deines Rumpfes schwach oder inaktiv sind, springen automatisch andere Muskelgruppen ein, um die fehlende Stabilität auszugleichen. Dein Körper kompensiert, und genau diese klugen Kompensationsstrategien nimmst du dann mit in den Alltag, Sport oder ins Fitness-Studio. Klassisches Bauchmuskeltraining wie Crunches, Planks oder Sit-Ups trainieren jedoch eher die oberflächlichen Muskeln als die tiefen ... anders ausgedrückt: Du trainierst deine Kompensationsmuster auf, statt die eigentliche Schwäche in der Tiefe auszugleichen. In vielen Fällen verschlimmert sich die Symptomatik dadurch, oder du nimmst trotz diszipliniertem Training keine Fortschritte wahr.
Der nachhaltigere Weg verbindet zwei Ebenen: die gezielte Aktivierung der tiefen Muskulatur und die Frage, in welchem Zustand sich Dein Nervensystem gerade befindet. Im Zusammenspiel dieser beiden Ebenen kann sich Deine Mitte nachhaltig stabilisieren. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu erwähnen, dass klassisches Bauchmuskeltraining nicht grundsätzlich verboten ist. In der Arbeit mit der Körpermitte geht es weniger um das WAS (welche Übung) als um das WIE (Ausführung einer Übung).
Ist eine OP der einzige Weg?
Eine Operation ist weder der einzige Ausweg noch automatisch und immer die beste Lösung. Wer mit einer geschwächten Körpermitte in eine Bauch-OP geht, kommt in der Regel mit derselben Schwäche auch wieder heraus. Eine gute Vor- und Nachbereitung ist deshalb sehr sinnvoll, falls du dich dennoch für einen Eingriff entscheidest.
Dein nächster Schritt
Wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Körpermitte mehr braucht als ein weiteres Trainingsprogramm, lass uns gemeinsam schauen, wo Du stehst. In einem Orientierungsgespräch können wir herausfinden, was Deine Mitte gerade wirklich braucht.






