Frau liegt im Bett, eine Hand ruht sanft auf ihrem Bauch

Die Rektusdiastase und der Beckenboden

July 06, 20262 min read

Die Rektusdiastase und der Beckenboden

Eine Rektusdiastase betrifft nicht nur den Bauch – sie steht in engem Zusammenhang mit deinem Beckenboden. Um diesen Zusammenhang zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf beide Bereiche einzeln.

Was ist eine Rektusdiastase?

Der Begriff „Rektusdiastase" beschreibt, dass die Muskelbäuche des geraden Bauchmuskels auseinanderstehen, weil das dazwischenliegende Bindegewebe in die Breite gedehnt wurde.

Was bedeutet eine Körpermitteschwäche?

Die tiefen Muskeln deines Rumpfes sind wenig aktiv, während umliegende Muskelgruppen zusätzliche Arbeit übernehmen müssen. Ein starker Rumpf trägt zu einer guten Haltung bei, stützt deine Organe, stabilisiert deine Wirbelsäule und wirkt sich positiv auf Atmung, Verdauung, Menstruationszyklus und Beckenboden aus. Die Körpermitte verbindet deinen Brustkorb mit dem Becken und gibt dir Stabilität für ein Leben in der Aufrichtung.

Was ist ein funktionell intakter Beckenboden?

Dein Beckenboden übernimmt zahlreiche Aufgaben:

  • Er stützt die inneren Organe

  • Er hat eine öffnende Funktion (Geburt, Toilettengang)

  • Er hat eine Verschlussfunktion (Kontinenz)

  • Er trägt während der Schwangerschaft mit

  • Er stabilisiert das Becken im Stand und in Bewegung

  • Er unterstützt die Sexualität

Grafik mit einem Notizblock und einem Stift
Was ist ein funktionell intakter Beckenboden?

Wie sich eine Schwäche im Beckenboden zeigen kann

  • Häufiger Harn- oder Stuhldrang

  • Schweregefühl oder Fremdkörpergefühl in der Vagina

  • Unfreiwilliger Abgang von Urin, Stuhl oder Winden bei Husten, Lachen, Lagewechsel oder Sport

  • Schmerzen beim Geschlechtsverkehr

  • Schwierigkeiten, rechtzeitig zur Toilette zu kommen

  • Schwierigkeiten bei der Darmentleerung

  • Schmerzen im Beckenbereich (Symphyse, ISG, Steißbein, untere Lendenwirbelsäule, Hüfte)

  • Beeinträchtigte Sexualfunktion

Die Verbindung zwischen Körpermitte und Beckenboden

Damit dein Beckenboden gut arbeiten kann, braucht er mehr als reine Kraft: eine gute Wahrnehmung, eine funktionierende Ansteuerung, eine stabile Rumpffunktion, eine gute Atemkoordination und Körperhaltung. Beckenboden und Rumpf sind über Faszien miteinander verbunden – sie arbeiten als Team.

Ist die tiefe Rumpfmuskulatur wenig aktiv, entwickelt dein Körper automatisch Kompensationsstrategien. Muskeln, die eigentlich für andere Aufgaben gedacht sind, übernehmen Stabilisierungsarbeit – während sich umliegende Bereiche zunehmend verspannen.

Mögliche Einflussfaktoren

  • Geburtsverletzungen (Dammrisse, Dammschnitte, Kaiserschnitte)

  • Operationen im Bauch- oder Beckenbereich

  • Eine bereits länger bestehende Körpermitteschwäche

  • Herausfordernde Geburtsverläufe

  • Ungünstig gewählte oder ausgeführte Übungen und Fitnessprogramme

  • Anhaltender Stress oder ein Nervensystem, das nach belastenden Erfahrungen nicht zur Ruhe findet

Es geht letztlich nicht nur um Kraft im Beckenboden, sondern darum, dass die Muskeln so zusammenarbeiten, wie sie für ein beschwerdefreies Leben in der Aufrichtung gedacht sind. Neben der reinen Muskelfunktion spielt auch dein Nervensystem eine Rolle dabei, wie gut Körpermitte und Beckenboden zusammenarbeiten können. Mehr dazu findest du in "Rektusdiastase: Dein Körper ist mehr als eine Zahl".

Katrin Rey

Katrin Rey

Katrin Rey ist Physiotherapeutin, Somatic Experiencing (SE)® Practitioner und Sexualberaterin in Frankfurt am Main. Sie begleitet Menschen dabei, nach überwältigenden Erlebnissen rund um Schwangerschaft und Geburt zurück in ihren Körper zu finden.

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